Unterschiede aushalten. Fragen offen lassen

30. August 2018

Von Dr. Jan-Dirk Döhling

In der UCC-Zentrale in Cleveland/Ohio.

Dr. Peter Makari, Referent der Kirche für Nahost und Europa, erläutert uns die Position der UCC zum Israel-Palästina-Konflikt.

Es wird deutlich: Dieser wird als asymmetrischer Konflikt gesehen, in dem Israel der Stärkere ist. Wir haben den Eindruck: Für unsere Partnerkirche muss deshalb auch die Solidarität asymmetrisch sein. Wie die Kirchen in Deutschland ist sie für eine Zwei-Staaten-Lösung, ergreift dabei aber deutlich Partei für die aus ihrer Sicht Schwächeren, die Palästinenser.

Unsere Gespräche zeigen: Anders als in Deutschland sind Fragen zu diesem Thema in den USA immer auch innenpolitische Fragen. Viele evangelikale Christen sehen im modernen Staat Israel biblische Verheißungen erfüllt. Wer ihre Wählerstimmen gewinnen will, verfolgt eine Politik, die auch nicht davor zurückschreckt, Öl ins Feuer gießen, wie jüngst bei der Verlegung der US-Botschaft nach Jerusalem. Die UCC bezieht dagegen konkret Stellung und will, gemeinsam mit anderen Kirchen und Organisationen, ein Gegengewicht zur oft einseitigen Israelpolitik ihres Landes sein.

Was sagen wir als westfälische Partner dazu?

Schon die deutsche Geschichte, aber auch die theologischen Einsichten aus dem christlich-jüdischen Dialog sorgen für einen ganz anderen Rahmen. Und auch die deutsche Israelpolitik, die von dieser Geschichte bestimmt ist, lässt sich nicht mit den USA vergleichen. Doch auch wir ergreifen Partei – für Menschenrechte und Frieden. Das heißt: Wir stärken in diesem Konflikt auf allen Seiten die Kräfte, die sich für Versöhnung einsetzen. Juden und Palästinenser müssen auf dem Boden des Heiligen Landes sicher leben können. „Frieden kann es in Israel und Palästina nur geben, wenn das Existenzrecht Israels genauso anerkannt wird wie das Recht des palästinensischen Volkes auf einen eigenen Staat“, hat die Kirchenleitung im November 2017 erklärt. Diese Überzeugung verbietet uns einseitige Parteinahmen für die eine oder die andere Seite.

„Bleibt nicht“, – so fragen wir abschließend unsere Partner – „auch in diesen schweren politischen Fragen die bleibende Erwählung und Gottes Liebe zum jüdischen Volk relevant?“

„Good questions“ sagt Peter Makari, zum Abschied, als wir uns nach einer engagierten Diskussion die Hand geben. „Ja, wirklich“, – so geht es mir durch den Kopf – „bei dem Thema ist es leichter, gute Fragen zu haben als gute Antworten.“

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