Flüchtlingshilfe »stellvertretend für Europa«

Die Flüchtlingsarbeit der evangelischen Kirchen in Italien ist für Präses Annette Kurschus beispielhaft: »Ihr Einsatz hier geschieht stellvertretend für uns, für Europa«, sagte die leitende Theologin der Evangelischen Kirche von Westfalen (EKvW) auf Lampedusa zu den Mitarbeiterinnen der Organisation Mediterranean Hope (MH), die dort ankommende Migranten aus Afrika betreuen.

Auch die humanitären Korridore, durch die MH für Flüchtlinge eine sichere, legale und kontrollierte Einreise nach Italien organisiert, seien ein zwar kleines, aber wegweisendes Mittel, um der menschlichen Verantwortung für diese notleiden Menschen gerecht zu werden, erklärte die Präses gegenüber italienischen Politikern in Rom.

Mediterranean Hope wird vom Bund der evangelischen Kirchen in Italien (FCEI) getragen und ist auf verschiedene Weise in der Flüchtlingshilfe aktiv. Über die humanitären Korridore sind bis jetzt tausend geflüchtete Afrikaner und Syrer vom Libanon nach Italien eingereist, um dort ein humanitäres Visum zu beantragen. Durch dieses Projekt, an dem außer dem FCEI auch die katholische Gemeinschaft Sant’Egidio beteiligt ist, soll die lebensgefährliche Flucht über das Mittelmeer vermieden und den Schleusern die Geschäftsgrundlage entzogen werden. Besonders schutzbedürftige Menschen wie unbegleitete Minderjährige, allein reisende Frauen mit kleinen Kindern oder Kranke sind dabei im Blick. »Ziel ist außerdem, die Einreise nach Italien auf sichere Art und Weise auch für alle anderen zu gewährleisten, denn wer ein humanitäres Visum erhält, wird vorher genau kontrolliert«, erläutert Paolo Naso, Leiter von MH.

Die beteiligten Kirchen haben sich gegenüber dem italienischen Staat verpflichtet, ein halbes Jahr für die Eingereisten zu sorgen. Nachdem das erste Kontingent von tausend Personen jetzt angekommen ist, wird das Projekt fortgesetzt. Es könne zwar nicht alle Probleme lösen, sagte Senatspräsident Pietro Grasso, aber ein bedeutendes Zeichen setzen. Der zweithöchste Repräsentant des italienischen Staates dankte den Kirchen ausdrücklich für dieses Engagement und bat sie darum, für die Idee der humanitären Korridore auch in anderen europäischen Ländern zu werben. »Dieses Projekt ist ein großartiges  Beispiel für die Zusammenarbeit zwischen Staat und Kirche«, sagte Grasso. Ähnlich äußerte sich der stellvertretende Außenminister Benedetto della Vedova. Er beklagte, dass die gemeinsame europäische Verantwortung für die ankommenden Flüchtlinge auf Italien und Griechenland abgewälzt werde. »Die Politiker und ihre Wähler müssen verstehen: Es ist keine Lösung, die Augen zu verschließen.«

Eine Kirchenleitungsdelegation der EKvW unter der Leitung von Präses Annette Kurschus hat vom 3. bis 8. März in Italien ihre Partner besucht und auf Sizilien und Lampedusa einen Eindruck von der Flüchtlingssituation und den Hilfsprojekten der evangelischen Kirchen Italiens gewonnen.

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